Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Herbst 1940 oder Frühjahr 1941.

Foto: Bundesarchiv, Bild 212-072, Ugo Proietti

Foto der Kaiser-Wilhlem-Gedächtniskirche Anfang der 50er Jahre. Erst 1956 wurde der einsturzgefährdete Chor abgerissen.

Foto: Sammlung M. Schmidt

Durch die Luftangriffe der Royal Air Force auf die Stadt Berlin vom 22. zum 23. November 1943 geriet das Kirchengebäude in Brand. Der Dachstuhl des Kirchenschiffs brach zusammen und die Spitze des Hauptturms wurde auch zerstört. Bis zum Jahr 1945 wurde das Gebäude, durch die Luftangriffe der Allierten, bis zur Ruine ausgebombt.

In der Nachkriegszeit wurde die Ruine erstmal dem Zerfall überlassen. Im Jahr 1956 begannen Abrissarbeiten und der einsturzgefährdete Chor der Kirche wurde abgerissen.

Im März 1957 begannen die Planungen für den Neubau der Kirche. Die ersten Pläne sahen einen kompletten Abriss der Kirche vor. Nach öffentlichen Debatten blieb der Hauptturm erhalten und wurde durch einen Neubau des Architekten Egon Eiermann daneben ergänzt. Heute steht das ganze Ensemble der historischen Kirche und des Neubaues unter Denkmalschutz.



Berichte der Nacht vom 22. auf 23. November 1943

 

„Das ganze Hansaviertel steht in Brand. Ich muss nach Hause, um zu sehen, ob irgendetwas gerettet werden kann. In der Altonaer Straße ist die Wasserleitung geborsten, die Straße gleicht einem Binnensee. Unmöglich, auf diesem Weg zum Hansaplatz vorwärtszukommen. Der Tiergarten ist wie ein Dschungel. Zweige und Stängel stechen einem ins Gesicht, während man sich über die umgestürzten Baumstämme vorwärtstastet. Die Händelallee – ein Feuermeer. Ich gehr weiter, biege in die Klopstockstraße ein. Die Straße ist so heiß wie ein Backofen. Das Beste ist, so schnell wie möglich kehrtzumachen und wieder in den Park zurückzukommen, wo die Luft nicht ganz so beißend ist von Ruß und Rauch.“
Theo Findahl, (24. August 1891 - 19. Mai 1976), norwegischer Korrespondent der Osloer Zeitung „Aftenbladen in Berlin

„Die Luft ist von beißendem Qualm erfüllt. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass der Angriff dem Osten der Satdt gegolten hat, und machen uns, so gut es geht, mit unseren Sachen zu Fuß auf, um über die Schönhauser Allee der Stadt näher zu kommen. Das Gepäck lassen wir in einem Notspital, in dem ständig Verletzte eingeliefert werden. Die von Brandgeruch und ausströmendem Leuchtgas geschwängerte Luft wird so unerträglich, die Finsternis so undurchdringlich, der Regenschauer vor sich herjagende Sturm so stark, das unsere Kräfte erlahmen. Dazu versperren umgestürzte Bäume und Leitungsmasten, zerrissene Hochspannungskabel, verkohlte Straßenbahnwagen, Trichter, Gesteinstrümmer und Glasscherben den Weg. Alle Augenblicke reißt der Wind von den Ruinen Fensterrahmen, Dachziegel und Regenrinnen auf die Straße.“
Hans-Georg von Studnitz, (31. August 1907 - 16. Juli 1993), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes bis 1945.

 

Zitate aus: „Krieg in Berlin“, Sven Felix Kellerhoff, Verlag Bastei Lübbe, 2011
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages


Eintrag aus dem Kalender des Küsters Hobohm: "Heute Abend ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche durch Brandbomben und Brände vernichtet worden. Desgleichen das Gemeindehaus."

Durch den Angriff vom 22. November 1943 ist unsere Kirche zerstört und unbenutzbar geworden. Im Pfarrhaus ist das 4. Stockwerk, Dach und Boden vollständig ausgebrannt. Im Gemeindehaus auch das 3. Stockwerk (Konfirmandensäle, Wohnung der Diakonissen, Orgelmotor).

Unter vieler Mühe ist der Gemeindesaal soweit hergerichtet, daß die Gottesdienste am Heiligen Abend 1943 dort stattfinden konnten.

Der Gemeinde ist eine Fülle von Anteilnahme anläßlich der Zerstörung der Kirche ausgesprochen, u.a. vom Kronprinzen und von Pfarrer Krummacher."

 

Protokoll der ersten Sitzung des Gemeinde-kirchenrates nach der Zerstörung der Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche.


Mit feundlicher Genehmigung der Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächnis-Kirchengemeinde


Die Kirche von aussen. Rechts der neue Turm.

Kurzer Film über die Turmbesteigung der kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Juni 2018. Bitte auf den Film klicken zum abspielen oder zweimal auf den Film klicken, um ihn bildschirmfüllend und in voller Auflösung zu sehen.


Große Abbruchkante am Turm.

Große ehemalige Fensterrose über dem Eingang zur Gedächtniskirche.

Durch Hitze der Brandbomben wurden die Stahlträger in der Spitze der Kirche stark verformt.

Große Einschusslöcher an einer Seite der Kirche.

Blick von Kirchturm der Ruine in Richtung des neuen Kirchtums.

Original Mosaiksteine und Orgelpfeife während der Restaurierung der Kirche geborgen.


Neues Uhrwerk hinter der original Fassung der historischen Kirchturmuhr.

 

Im Inneren der Kirchenvorhalle. Zu sehen sind im Hintergrund die Mosaiken nach Entwürfen von Hermann Schaper.

Teilansicht der Deckenmosaiken. Deutlich sieht man noch starke Brandspuren der Bombenangriffe der Nacht vom 22. November 1943.

Einschusslöcher im Inneren der Vorhalle der Gedächniskirche.



Fotos im Inneren der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit freundlicher Erlaubnis der Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde, Gemeindebüro. Vielen Dank!